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Berlin/Aachen, 28. Oktober 2016

Pariser Klimaabkommen erfordert radikale Transformation der Wirtschaft statt fragwürdige Technologien zum Klimaschutz

(Berlin/Aachen, 28.10.2016) Eine Woche vor Inkrafttreten des Pariser Klimaschutzabkommens haben das Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Heinrich-Böll-Stiftung die Staatengemeinschaft zu wirksamen Klimaschutzmaßnahmen und einer gerechten sozial-ökologischen Transformation aufgerufen. Dringend erforderlich seien der Ausstieg aus der Kohleverstromung, eine drastische Verringerung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft, der Schutz von Wäldern und Böden und die Abkehr von fossilen Brennstoffen im Verkehrssektor.

In einer gemeinsamen Publikation mit dem Titel „Kurswechsel 1,5 Grad. Wege in eine klimagerechte Zukunft“ stellen die Organisationen die Gefahren der Erderwärmung für Ernährung und Ökosysteme dar und analysieren sogenannte negative Emissionstechnologien wie Geoengineering, Klimakompensation und den Anbau von Energiepflanzen. Diesen fragwürdigen Technologien werden Konzepte zur Einhaltung des in Paris vereinbarten 1,5-Grad-Ziels gegenübergestellt, die Klimagerechtigkeit und Armutsbekämpfung in den Mittelpunkt rücken.

„Es ist unvernünftig, kostspielig und ökologisch riskant, auf unerprobte Projekte zur Speicherung klimaschädlicher Gase oder zur chemischen Behandlung der Erdatmosphäre zu setzen. Wir brauchen rasche, realistische und wirklich wirksame Lösungen wie den Kohleausstieg, den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, das Verbot von Verbrennungsmotoren und den Schutz von Wäldern und Böden. Werden diese unerlässlichen Maßnahmen verschoben und stattdessen fragwürdige Technologien gefördert, dann schließt sich das kurze Zeitfenster für wirksamen Klimaschutz“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. 

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte: „Klar ist, dass effektiver Klimaschutz und eine gerechte, nachhaltige Entwicklung nur gemeinsam gedacht werden können. Eine Zukunft für die Menschen auf diesem Planeten ist nur möglich, wenn wir nicht auf großtechnologische Lösungen setzen, sondern Energie- und Agrarwende schnellstmöglich vorantreiben. Denn Technologien wie das Geoengineering setzen darauf, in Zukunft CO2 aus der Atmosphäre zu saugen oder Sonnenlicht von der Erde fernzuhalten. Das ist eine gefährliche Ablenkung von den notwendigen Schritten, die wir bereits heute umsetzen können. Mit dem Pariser Abkommen ist der Kurswechsel überfällig.“

„Die vage Hoffnung, wir könnten mit den Folgen eines um drei oder mehr Grad erwärmten Erdplaneten irgendwie umgehen, ist mehr als trügerisch. Es liegt mit in unserer Verantwortung, für das Leben von Millionen von Menschen Sorge zu tragen, indem wir uns konsequent für eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 1,5 Grad einsetzen. Dies ist nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche und kulturelle Herausforderung, der wir uns nicht entziehen dürfen, die wir aber gemeinsam leisten können“, erklärte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

 

Pressekontakt:

Ann-Kathrin Schneider, BUND-Klimaexpertin, Tel. 030-27586-468
Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-464, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net
Michael Alvarez, Pressesprecher Heinrich-Böll-Stiftung, 030-28534-202, presse@boell.de, www.boell.de


Kurswechsel 1,5°. Wege in eine klimagerechte Zukunft
Publikation

Die im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Temperaturbegrenzung – so die verbreitete Meinung – ist nur...

Die im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Temperaturbegrenzung – so die verbreitete Meinung – ist nur mit in der Zukunft hoffentlich verfügbaren Technologien zu erreichen. Die Broschüre zeigt anhand praktischer Beispiele, wie wir bereits jetzt eine für alle lebenswerte Welt realisieren können und die Lösung der Klimakrise nicht in die Zukunft verschieben müssen. Ist es utopisch, angesichts der Klimakrise auf ein gutes Leben für alle zu dringen? Vielleicht. Aber nicht weniger realistisch als die Utopie endlosen Wachstums auf einem endlichen Planeten. Wie wir eine nachhaltige und für alle lebenswerte Welt realisieren können, zeigen zahlreiche praktische Beispiele – von der dezentralen erneuerbaren Energieerzeugung über bewährte Konzepte für die nachhaltige Waldnutzung bis hin zu Ideen für moderne Mobilität und den ökologischen Anbau unserer Nahrungsmittel. Gemeinsam ist ihnen: Sie zeigen, wie wir gut leben, arbeiten und wirtschaften können. Innerhalb der planetarischen Grenzen. Und so, dass nicht länger Menschenrechte und Demokratie unter die Räder kommen und Millionen Menschen marginalisiert und in Armut leben.

  • Herausgeber: BUND, Heinrich Böll Stiftung; MISEREOR
  • Oktober 2017
  • Seiten: 15

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