Kein Essen für den Eimer
Berlin, 09. Oktober 2015

Kein Essen für den Eimer

MISEREOR fordert zum Welternährungstag Aktionsplan gegen Nahrungsmittelverschwendung

(Berlin, 09. Oktober 2015) Weltweit wird jedes Jahr ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, während etwa 800 Millionen Menschen hungern und jeder dritte Mensch von einer oder mehreren Formen der Fehlernährung betroffen ist. Allein in Deutschland landen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. "Dies sind Auswüchse eines weltweiten Produktionsmodells, das besonders auf Billig- und Überschussproduktion setzt und nicht zuerst den Menschen und die Schöpfung im Blick hat", erklärte  MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel am Freitag in Aachen.

"Es ist ein Skandal, dass durch diesen verschwenderischen Umgang mit Nahrungsmitteln wertvolle und begrenzte Ressourcen an Energie, Wasser und Böden vergeudet werden", so Spiegel weiter.  MISEREOR setzt sich deshalb für ein Ernährungssystem  ein, das die Rechte der Menschen in den Mittelpunkt stellt und eine nachhaltige Landwirtschaft stärkt. "Ein Ende der Lebensmittelverschwendung in Deutschland ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung."

MISEREOR fordert Wegwerfstopp für Supermärkte

Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober fordert MISEREOR deshalb von der Bundesregierung einen Aktionsplan mit verbindlichen Zielvorgaben, um die Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Anbau-, Verarbeitungs-, Handels- und Konsumkette bis 2020 zumindest um 50 Prozent zu verringern. "Ein solcher Aktionsplan sollte zum Beispiel Maßnahmen wie einen Wegwerfstopp für Supermärkte beinhalten, der Lebensmittelhändlern das Wegwerfen genießbarer Lebensmittel verbietet", betonte der MISEREOR-Hauptgeschäftsführer. "Wir brauchen eine mutige Politik, um die entscheidenden Akteure dazu zu bewegen." Weiter fordert MISEREOR, Handelsnormen abzuschaffen, die zur Entstehung von Lebensmittelverlusten beitragen. Regionale Lebensmittelproduktions- und Vermarktungsstrukturen sollten gestärkt werden. Sie ermöglichen unter anderem kürzere Transportwege und leisten einen relevanten Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen.

Als wichtiges Signal sei zu werten, dass die gerade in New York verabschiedeten Ziele einer nachhaltigen Entwicklung, die so genannten Sustainable Development Goals (SDGs), die Themen Ernährung, nachhaltige Landwirtschaft und Beendigung von Hunger ins Zentrum rücken und dabei auch die Relevanz der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung betonen.

Tausende unterstützen Petition "Kein Essen für den Eimer"

Auch mit der Petition "Kein Essen für den Eimer" setzt sich MISEREOR für ein Ende der Lebensmittelverschwendung ein. Die Aktion hat tausende Unterstützinnen und Unterstützer gefunden. "Stimmen aus der deutschen Zivilgesellschaft, die gehört werden müssen", verlangte Spiegel. Die Unterschriften sollen deshalb am 16. Oktober an Bundesagrarminister Christian Schmidt auf dem Platz der Republik vor dem Deutschen Bundestag überreicht werden. Geplant ist die Übergabe im Rahmen einer Aktion gegen Lebensmittelverschwendung, die MISEREOR gemeinsam mit den Trägern der Kampagne "Leere Tonne" organisiert. Geladene Bundestagsabgeordnete und Passanten erwartet eine reich gedeckte Tafel mit "geretteten" Lebensmitteln, an der sie sich bedienen können.

Möchten Sie mehr erfahren zum Thema Lebensmittelverschwendung, zu den entwicklungspolitischen Zusammenhängen und den Forderungen von MISEREOR? Gerne vermitteln wir Ihnen ein Interview mit unserer Referentin für Landwirtschaft und Ernährung Sarah Schneider.

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