Aachen/Berlin, 02. November 2015

Deutschland ist Weltklasse – auch als Steueroase!

(Aachen/Berlin, 02. November 2015) Deutschland ist auf Platz acht unter den Top zehn internationaler Steueroasen. Das geht aus dem Schattenfinanzindex 2015 hervor, einem Ranking über die schädlichsten Schattenfinanzzentren der Welt. Die Untersuchung wird heute vom internationalen Tax Justice Network zusammen mit dem Netzwerk Steuergerechtigkeit veröffentlicht, in dem sich auch das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR engagiert.

"Deutschland bietet einen sicheren Hafen für fragwürdige und potentiell illegale Finanzflüsse von Steuerausländern. Auf diese Weise mischt es aktiv im internationalen Steuerfluchtgeschäft mit. Zudem geht Deutschland noch immer nicht entschieden genug in der Bekämpfung von Geldwäsche vor", sagt Bernd Bornhorst, Abteilungsleiter für Politik und globale Zukunftsfragen vom Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR. Im Schattenfinanzindex 2015 ist die Position Deutschlands im Vergleich zum Jahr 2013 unverändert geblieben.

Steuerbefreite Kapitalanlagen in Deutschland bis zu 3 Billionen Euro

Auf die Bundesrepublik entfallen sechs Prozent des globalen Marktes für Finanzdienstleistungen. Steuerausländer halten steuerbefreite Anlagen im Wert von geschätzten 2,5-3 Billionen Euro. Deutschland bietet mit Finanzprodukten wie Inhaberaktien, Stiftungen und Treuhandgesellschaften Möglichkeiten, die rechtlich und wirtschaftlich wahren Eigentumsverhältnisse zu verschleiern.

Steuerflucht aus dem globalen Süden um Vielfaches höher als Entwicklungshilfe

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds vom Mai 2015 entgehen Entwicklungsländern alleine 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr, weil Konzerne ihre Steuern nicht zahlen. Das ist ein Vielfaches der jährlichen Transfers von Entwicklungshilfe. Dieser Nettokapitalabfluss trägt dazu bei, dass den öffentlichen Kassen vieler Entwicklungsländer die Mittel fehlen, um dringend benötigte soziale Grunddienste und öffentliche Aufgaben wie Schul- und Berufsbildung zu finanzieren. Die Folge: Wirtschaftliche Perspektiv- und Chancenlosigkeit im globalen Süden, die nicht zuletzt ein Grund für die wachsenden Migrationsbewegungen weltweit sind. "Die wahren Wirtschaftsflüchtlinge unserer Zeit sind transnational agierende Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung durch raffinierte Steuertricksereien entziehen. Deutschland fungiert dabei als Steuer- und Verdunklungsoase, indem es gesetzlich nicht entschieden genug gegen den Zufluss von Steuerfluchtgeldern vorgeht", so Bernd Bornhorst weiter.

Deutschland sollte sich daher dringend in zwei Wochen auf dem G20-Gipfel in Antalya dafür einsetzen, dass die G20 Reform-Initiative BEPS umfassend umgesetzt wird und Steuerinformationen in Zukunft automatisch ausgetauscht werden. Die Bundesregierung sollte bestehende Steuerschlupflöcher im eigenen Land stopfen und Entwicklungsländer beim Aufbau von effektiven Steuersystemen konsequenter unterstützen.

Der MISEREOR-Finanzexperte Dr. Klaus Schilder steht für Interviews und Hintergrundgespräche zur Verfügung.

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Kontakt

Mehr Informationen

Zum Schattenfinanzindex und den Steuervermeidungspraktiken von Unternehmen auf den Seiten des Netzwerks Steuergerechtigkeit

 


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